Samstag, 29. November 2014

Massively Multiplayer Online Role- Playing Game als Methode im Philosophischen Unterricht?

In unserer Seminarsitzung am letzten Donnerstag hatte ich bei dem Thema ausschließlich Fragezeichen in meinem Kopf.
Was haben solche Online Rollenspiele im Ethikunterricht zu suchen? Ist das zeitlich überhaupt machbar? In welchen Lernbreichen könnte ich diese Spiele sinnvoll einsetzen? Wie sollen solche Spiele sich positiv auf die Schüler, deren Verhalten im Umgang mit Medien auswirken? Was hat das ganze mit Philosophieren im Unterricht zu tun? Fragen über Fragen. Aber auch während des Seminars konnten meine Fragen nicht vollständig beantwortet werden. Das Problem der vielen Fragezeichen in meinem Kopf ist sicher auch dass ich diesen Spielen rein gar nicht positives abgewinnen kann. Für mich stehen diese MMORPG für: hohes Suchtpotential, Abdriften in eine surreale Welt, Gefahr der Verschuldung, Abschottung von der Außenwelt. Ich kann nicht einen für Schüler oder auch andere Menschen förderlichen Aspekt aufzählen. Vielleicht kenne ich auch einfach zu wenig davon...
Wo liegen also die Potentiale dieser Spiele? Vielleicht habt ihr Ideen wie man diese Spiele SINNVOLL im Unterricht einsetzen könnte.
Und was mir noch sehr wichtig wäre: Gibt es Online Rollenspiele für Grundschüler? Mal ganz abgesehen davon dass ich die Umsetzung eines solchen Spiels in einer Grundschulklasse sehr aufwendig, Zeitintensiv (bei einer Stunde Ethik pro Woche) und auch von der Notwendigkeit der Ausstattung her auf sehr hohem Niveau finde, würden mich Beispiele für Grundschulen sehr interessieren. Vielleicht kennt ihr Spiele die sich durchaus eignen würden. Sehr gerne bin ich bereit mich eines besseren belehren zu lassen, jedoch nur aus reinem persönlichem Interesse. Eines steht dennoch für mich fest: ich würde diese MMORPG´s nicht im philosophischen Unterricht einsetzen, dazu bin ich einfach zu negativ dem gegenüber eingestellt.

Kommentare:

  1. Hallo Janine,
    ich war zu Beginn der Sitzung ebenfalls skeptisch bzw. habe eine Mischung aus Neugierde und Skepsis verspürt. Viele der aufgeworfenen Fragen beantwortest du eigentlich schon selbst,wenn du über die negativen Folgen der Online-Rollenspiele sprichst und nach einer sinnvollen Verwendung der Spiele im Ethikunterricht fragst. Ja, MMORPG bergen ein hohes Suchtpotential, man kann in surreale Welten abdriften, sich von der Außenwelt abschotten, sich verschulden etc.. Aber genau diese Probleme sind es doch, die im Ethikunterricht thematisiert werden können und sollten, um zur kritischen Reflexion über den Medienkonsum anzuregen. Und bekanntlich spricht es sich nicht gut über Themen, zu denen man keinerlei Zugang hat. Ich selbst habe auch noch nie MMORPG gespielt, es mir aber für die nächsten Semesterferien vorgenommen. Denn ich stelle es mir leichter vor, die realen Probleme der Spiele im Unterricht zu thematisieren, wenn man selbst Erfahrungen gesammelt hat und auch die Schüler einlädt, sich darin zu üben.

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  2. Ich gebe dem vorherigen Kommentar in dem Punkt Recht, Games als riesigen Aspekt der Medienwelt im Unterricht thematisieren zu müssen, wenn ganzheitlich die Medienkompetenz geschult werden soll. Wer abstreitet, dass sie so ein großer Aspekt wären, möge einen Blick auf die Weihnachtswunschlisten Jugendlicher werfen oder mal schauen, wie viele Schüler ein Facebook-Konto haben und dieses nebst Selbstdarstellung für „The Sims Social“ oder „Farmville“ nutzen. Allein aufgrund dieser Tatsache ist es notwendig, mit der Zeit zu gehen und die moderne Welt in den Unterricht einzubeziehen. Mal abgesehen von all den Problemen, die sich beim Einsatz im Unterricht auftun, sollte doch versucht werden, sich von Stereotypen zu lösen. Ich stimme hier weder dem Argument des Suchtpotentials noch dem Abschotten von der Außenwelt zu, das sind Begriffe, die aus dem kritischen WoW-Kontext bekannt sind, doch wenn ich solche Spiele im Unterricht einsetze, ist dieser Faktor unheimlich gering – wir reden schließlich immer von der knappen Zeit, die für so etwas bleibt. Besonders im Ethik- und Philosophieunterricht ist es notwendig, Gegenstände von allen Seiten zu betrachten und nicht schwarz zu malen. Wer behauptet, Spielen sei etwas schlechtes, kann bereits von Friedrich Schiller eines Besseren belehrt werden: „Denn, um es endlich auf einmal herauszusagen, der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Worts Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“ (aus: Pfister, Eugen: Von der Notwendigkeit der historischen Analyse von Computerspielen. In: Historische Sozialkunde 4 (2013), S.4-8, hier S.4.) in diesem Aufsatz findet sich auch eine plausible Erklärung der negativen Einstellung gegenüber MMORPGs. „Wir haben es mit einer ‚normalen‘ Reaktion auf ein neues Massenmedium zu tun. Im Grunde begegnen wir hier der gleichen Abwehrhaltung, die seit Anfang des letzten Jahrhunderts regelmäßig die Gefahren des Kinos, des Radios, des Fernsehens und der Comics beschworen hatte und die Furcht vor einer Verdummung, Verrohung und Kriminalisierung der Jugend schürte.“ (ebd.) Die Donald-Duck-Comics regen in gleichem Maße zu Banküberfällen an wie Rollenspiele zu Amokläufen – alles stereotyper Irrglaube, der wissenschaftlich nicht nachgewiesen werden kann. Gegen die aufgeführten Contras des Beitrages halte ich folgende Pros: MMORPGs sind in der Lage, gesellschaftliche Beziehungen zu erklären und damit die soziale Kompetenz des Spielers zu fördern. Sie schließen ein Belohnungssystem ein, das den Spieler über richtiges und falsches Handeln informiert. Spielerisches Lernen kann mit der richtigen Aufbereitung gewährleistet werden, was für eine hohe Motivation und vor allem aktives Handeln garantiert. Um die Frage nach dem Einsatz in der Grundschule zu beantworten: ich denke, dass Spiele auch dort durchaus sinnvoll sein können. Auch viele Grundschüler müssen schon im Internet recherchieren, deshalb kann es schnell dazu kommen, dass sie auf Browsergames stoßen, die nicht in vollem Maße geeignet sind für eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung. Ich kann da nur die Seite fragfinn.de empfehlen, auf der du eine Sammlung von Browsergames-Anbietern findest, die für Kinder geeignet sind. Davon abgesehen gibt es sicher Spiele, die märchenhafte Erzählungen darstellen, welche immer eine gute Basis für den philosophischen Unterricht sind.

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